Liedolsheim 01.03.2009

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Endlich ist es soweit. Nachdem das LC4 Kart eigentlich schon seit November letzten Jahres fahrbereit ist und auf eine Gelegenheit wartet auf einer Kartbahn getestet zu werden, passt nun alles: Ich habe Zeit, es ist gutes Wetter und der Hof ist so weit frei geschippt, dass der Anhänger auf die Straße gezogen werden kann. Im Gegensatz zum Tal liegt zu Hause auf der schwäbischen Alb beinahe noch ein halber Meter Schnee.

In Liedolsheim jedoch liegt gar kein Schnee und die Bahn ist geöffnet - laut Webcam und Internetseite - und so wird der Anhänger gepackt und nach Liedolsheim gefahren.

Diese Idee hatten noch sehr viele andere auch, als wir auf der Kartbahn gegen 10:30 Uhr ankamen, war das Fahrerlager beinahe voll.

Ein kleines Plätzchen finden wir noch, ein Rasenstück ganz hinten im Fahrerlager auf den das Gespann gerade noch drauf passt - von der Länge her und die Breite ist gerade ausreichend um das Kart noch neben den Anhänger zu stellen.

Also... Kart ausladen, umziehen und Ticket kaufen.

Die Kartbahn hat neue Leihkarts bekommen und weil Dominik's Motorenupdate noch nicht beendet ist, möchte er natürlich wissen, ob nun Leihkarts vorhanden sind, die ihm von der Größe her passen. Dem ist aber nicht so, trotz verstellbaren Sitzen und Pedalverlängerungen sind die Karts doch noch nicht uneingeschränkt kindertauglich. So kommen wir dann mit Bahnticket aber ohne Fahrmöglichkeit für Dominik wieder zu unserem Platz zurück.

Mittlerweile ist die Rennkartzeit - der erste Stint des Tages auch vorbei und es fahren die Leihkarts.

Das Ende der Leihkartzeit wird signalisiert, indem eine Ampel im Fahrerlager auf grün umschaltet.

Ich starte also den Motor, Helm auf, Handschuhe an und nix wie ab auf die Bahn.

Auf der Fahrt durch das Fahrerlager ruckelt der Motor etwas. Ich führe das darauf zurück, dass ich noch im ertsen Gang bin, beim PKW ist das ja im Teillastbereich auch so.

Der Bahnwärter winkt mich raus.... hoffentlich nicht wegen dem auffälligen Motor denke ich noch, aber zum Glück teilt er mir nur mit, dass jetzt Bambinizeit ist. Oh hoppla. Das ist eine Neuerung. Noch letztes Jahr waren auf dieser Bahn am Wochenende Bambinis tabu.

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Natürlich entschuldige ich mich für meine Unkenntnis und frage woran man das erkennen kann ob Bambini oder Rennkartzeit ist. Darauf gab's dann die Marinestandardantwort mit 4 Buchstaben: "Isso"

Gut, ich verspreche die Runde vorsichtig zu Ende zu fahren und sofort wieder die Ausfahrt ins Fahrerlager zu nehmen und darf weiter fahren. Der Motor ruckelt weiter, auch nach dem Schalten in den 2. Gang und dann unter Last in der Kurve geht die Kiste aus. So ein Mist. Also den Motor wieder gestartet und weiterfahren. Na ja.... einen Versuch war's wert. Und noch einen.... und noch einen.... es hat keinen Sinn. Diese Runde kann nicht zu Ende gefahren werden. Der Motor läuft einfach nicht richtig.

Am Ende der Bambini Zeit schiebe ich das Kart also zurück an unseren Platz und suche nach dem Problem.

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Die Nebenluft, die beim letzten Test noch als Fehlerquelle identifiziert wurde, war also nicht der einzige Grund. Nun widme ich der Tatsache, dass die Benzinpumpe den Sprit durch alle beiden Überläufe des Vergasers und sogar durch den Überströmkanal drückt. Womöglich ist das Kraftstoffniveau in der Schwimmerkammer viel zu hoch und der Motor läuft zu fett ? Am besten mal die Zündkerze fragen.

Die Zündkerze ist total verrußt. Das ist der Grund dafür, dass das Kart auch so schlecht ansprang - zum Schluss. Kein vernünftiger Zündfunke mehr.

Damit die Kerze aber so stark und vor allem so schnell verrußt, muss das Gemisch viel zu fett sein.

Einige Vereinskameraden aus Ehingen sind auch da. Stefan rät zum Düsentausch. Kleinere Hauptdüse nehmen. Doch ich habe keinerlei Düsen dabei und außerdem lief der Motor mit diesem Vergaser und dieser Bedüsung ja schon mal recht gut. Ich versuche also etwas anderes.

Auf Anraten von Rudi hatte ich vor etwa 2 Wochen eine Mikuni Membran- Kraftstoffpumpe aus eine Suzuki SV650 die mit alternierendem Druck aus dem Ansaugkanal betrieben wird ersteigert. Dieses Moped ist als "Säufer" bekannt und folglich müsste die Kraftstoffpumpe für den Gebrauch im Kart genau richtig sein. Die Pumpe habe ich eingepackt um sie sofern notwendig gegen die elektrische austauschen zu können.

Bingo.

So eine mechanische Benzinpumpe hat wohl einen geringeren Förderdruck als die elektrische. Ich habe zwar eine Förderpumpe von Hardi für Vergasermotoren eingebaut - Förderdruck 0,4 bar - aber das ist ja offensichtlich zu viel. Also wird die mechanische Pumpe angeschlossen. Zum Anschluss der Pumpe lasse ich die Kraftstoffleitungen komplett leer laufen. Ich will beim Test der Pumpe sehen, ob sie in annehmbarer Zeit in der Lage ist den Kraftstoff zu fördern. Ich will ja nach langer Standzeit nicht erst die Batterie leer orgeln müssen bis der Motor anspringt.

Tatsächlich dauert es schon einige KW-Umdrehungen bis der Sprit am Vergaser ankommt, aber es ist akzeptabel.

Also wird die Pumpe fest eingebaut und der Unterdruckschlauch fertig konfektioniert und verlegt. Sicherheitshalber baue ich auch das Kraftstoffsystem zur Ringleitung um. Die beiden Überläufe am Vergaser verbinde ich mit einem Schlauch der oben rum um den Vergaser geführt wird und der Schlauch bekommt an seiner höchsten Stelle eine Kerbe eingezwickt für die Belüftung. So wird das beim normalen Zweitakt Kartmotor auch gemacht, sagen mir die Ehinger Kameraden.

Die ganze Aktion dauert einen kompletten Leihkart - Bambini - Rennkart Zyklus und so bin ich nach einmal aussetzen - recht skeptisch - wieder "im Rennen".

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Die Ampel springt auf grün, Motoren dürfen wieder laufen gelassen werden und während die Bambinis fahren, teste ich im Stand.

Die Kraftstoffpumpe liefert auch bei Vollgas genügend Sprit, der Überlauf bleibt auch im Standgas trocken, der Motor scheint rund zu laufen. Soweit man das eben ohne Last beurteilen kann.

Dann kommen die Bambinis rein und ich fahre wieder Richtung Boxenausfahrt.

Auf der Strecke: Gaaas. Der Motor fühlt sich gut an. Das Kart beschleunigt sauber - ich muss es auf der Hinterachse geradeaus balancieren - und ich schalte in den zweiten Gang.

Das Kart beschleunigt auch im zweiten Gang, auch um die Kurve herum noch anstandslos. Toll.... der Motor scheint nun einwandfrei zu laufen.

Mit kalten Reifen schiebt das Kart noch arg über die Vorderachse, aber mit einem leichten Gasstoß bringt man das Heck sehr leicht in die richtige Position.

Die Reifen werden wärmer und ich traue mich immer mehr.

Auf der Bremse ist das Kart noch sehr nervös. Das Heck sitzt sehr locker, beinahe bei jedem Anbremsen steht das Kart quer. Das ist weder effektiv, noch sicher. Nur spektakulär. Aber nicht für Kartfahrer hinter mir, die erschrecken, verbremsen sich und landen im Grünstreifen.

Auch Stefan - der Ehinger Vereinskamerad - spricht mich darauf an. Er hat beobachtet, dass die Hinterachse beim Anbremsen sofort steht. Tja..... hinten verzögert eben eine Doppelsattel Bremsanlage mit schwimmend gelagerter Bremsscheibe. Abhilfe verschafft die Verlegung der Bremsbalance nach vorne.

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Die neue Bremsbalance kann ich dann nach der Mittagspause testen. Allerdings wurde ich beim rausfahren aus der Box vom Betriebspersonal zur rücksichtsvollen Fahrweise ermahnt.

Mein im Vergleich zu den leichten Zweitakt- Karts zu früher Bremspunkt verleitet die anderen Fahrer dazu, innen in die Kurve reinzustechenund einen Überholvorgang zu versuchen. Einige sind ganz erstaunt, dass ich trotzdem auf der Ideallinie bleiben möchte.

Mit sicherer Fahrweise und mit überlegten Überholvorgängen hat das meiner Meinung nach nichts zu tun, aber um ein Bahnverbot zu vermeiden, fahre ich eben ab nun nach hinten orientiert. Habe zwar noch nie was davon gehört, dass der vorne fahrende auf die hinteren aufpassen muss, aber sei's drum. Ich muss mich schließlich an die 2 zusätzlichen Takte, an die zusätzliche Leistung und an das zusätzliche Drehmoment erst gewöhnen.

Alles in allem: Das Kart ist der Hammer. So was habe ich noch nicht erlebt. Die Kraft von unten heraus ist einfach brutal. Das Herausbeschleunigen aus den Kurven macht süchtig und kräftigt die Nackenmuskulatur ;-)

Selbst wenn ich vor und in einer Kurve vom Gas gehe um 4 oder 5 Zweitakter vorbei zu lassen, kann ich nach dem letzten den großen Geschwindigkeitsüberschuss ruck zuck abbauen und bis zu meinem nächsten Bremspunkt die Distanz sogar wieder verkürzen. Einfach das Gaspedal durchtreten und der Motor katapultiert einen hinterher - wie vom Gummizug geschossen.

Mit der richtigen Kurventechnik und mit anständigen Reifen hätten die keine Chance mehr.

Der Motor setzt Vibrationen in einer Stärke frei, das ist schier undenkbar. Bei Vollgas im dritten Gang sind diese so stark, dass ich den nächsten Kurveneingang gar nicht mehr klar sehen kann.

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Da hilft nur hochschalten oder vom Gas gehen. Die Rekluse Kupplung arbeitet besser als befürchtet. Anfahren ist butterweich. Einfach nur sanft auf's Gas und das Kart rollert ebenso sanft und ruckfrei los. Rausbeschleunigen aus der Box: Problemlos. Kein Rutschen der Kupplung, Vortrieb satt.

Ein Dreher ? Früher immer ein Grund zur Hektik im Cockpit. Schnell den Kupplungshebel ziehen - meist muss man dazu umgreifen - und dann noch versuchen den Dreher abzufangen.
Das ist mit dieser Kupplung ganz sorgenfrei. Man geht ja automatisch vom Gas und kann sich dann ganz auf die Fahrsituation konzentrieren. Der Motor bleibt garantiert an.
Wenn man dann verkehrt herum stehen bleibt.... auch kein Problem. Auf den Verkehr achten und wenn alles frei ist: Beherzt auf's Gas und mit durchdrehenden Hinterrädern beinahe auf der Stelle wenden, kurz vom Gas und die Drehung abfangen und weiterfahren.

Ganz klasse. Meine Bedenken, von wegen Einschränkungen beim stehenden Start sind zerstreut - zumindest mit warmem Motor. Für eine Wettbewerbssituation muss ich das noch mal genauer verifizieren.

Die momentane Übersetzung ist für eine Kartbahn eigentlich zu lang. Liedolsheim ist ja keine langsame Strecke. Bereits mit dem RD-Kart erreichte ich auf dieser Strecke eine Höchstgeschwindigkeit von 109,7 km/h. Gemessen mit dem Tacho, also fehlerbehaftet (Reifenumfang - Schlupf). Nach über einem halben Jahr Fahrpause legte ich hier mit dem LC4 Kart nun eine Höchstgeschwindigkeit von 111 km/h auf den Asphalt. Gemessen mit einem GPS Gerät. Also ohne Fehler. Und dabei bin ich noch nicht einmal im 5. Gang gewesen. Die gesamte Bahn ging ganz gut im 3. und 4. Gang zu fahren. Eine kürzere Übersetzung ist jedoch wegen der dadurch größeren Belastung der Achse nicht so einfach möglich.

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Wermutstropfen:
Die Vibrationen haben die Halterung des Ölkühlers zerstört. Die Halterung selbst ist ein mal gebrochen und zusätzlich sind beide Haltelaschen des Ölkühlers abgebrochen - Wahnsinn, aber eigentlich nicht verwunderlich.

Nach einem Dreher mit anschließendem Ausflug in tiefes Laub hat's mir den Wasserschlauch aus seiner Befestigung gezogen. Im Laufe der nächsten etwa 10 Minuten ist der dann wohl immer wieder auf der Fahrbahn aufgekommen und ist dann durchgescheuert. Zurück im Fahrerlager bemerkte ich einen leichten Wasserverlust. Das war vor Ort nicht zuverlässig reparabel. Allerdings habe ich dadurch nur einen einzigen Durchgang verpasst. Also nicht so schlimm

Alles in allem:
Ich glaube ich brauche zwei Wochen um das Grinsen wieder aus dem Gesicht zu bekommen ;-)

Zum Schluss kann ich noch einen kurzen Zusammenschnitt aus Dominik's Aufnahmen und den - noch nicht so perfekten - Onboardaufnahmen präsentieren.

Video

Und nun geht es erst mal an die Konstruktion eines neuen Kühlerhalters der den Vibrationen gewachsen sein muss.

Dann folgt der nächste Kurzbahntest.

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